Filmkritik "Logan": Wolverines bluttriefendes Requiem

01.03.2017

Endlich geschafft! Ausgerechnet mit seinem letzten Auftritt als krallenbewehrter Mutant gelingt Hugh Jackman genau der Film, auf den die Fans von Wolverine so lange gewartet haben.

Anders als in den Comics mussten die Macher bei 20th Century Fox wegen der anvisierten jugendfreien Altersfreigabe die Action rund um Wolverine stark entschärfen. Das tat dem düsteren Grundton, der seinen meisten Comicauftritten zugrunde liegt, nicht sonderlich gut.

Das ist in „Logan“ nun alles anders, und die FSK muss bei ihrer ab16-Freigabe tatsächlich beide Augen zugedrückt haben. Denn wenn Logan und sein Schützling Laura (Dafne Keen) sich durch reihenweise schwerbewaffnete Söldner schnetzeln und massenhaft Köpfe perforieren, spritzt das Blut gleich literweise.

Glücklicherweise hat Regisseur und Drehbuchautor James Mangold, der schon für Logans zweiten, recht durchwachsenen  Solo-Aufritt „Weg des Kriegers" verantwortlich war, seinem Film auch einen tollen Look und eine durchaus anrührende Vater-Tochter-Geschichte spendiert. Dabei ist vor allem Dafne Keen eine echte Entdeckung, die sowohl als außer Rand und Band geratene Killermaschine als auch als verletzliches Mädchen überzeugen kann.

„Logan“ spielt im Jahr 2029. Fast alle Mutanten sind mittlerweile ausgelöscht. Logan, dessen Selbstheilungskräfte schwächer werden und der sich mit der schleichenden Vergiftung durch sein Adamantium-Skelett herumplagt, verdient seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht als Chauffeur.

Ständig betrunken lebt er auf einer abgelegenen Ranch in Mexiko. Dort hält er den greisen Professor Xavier (Patrick Stewart) versteckt, der seine Kräfte nicht mehr unter Kontrolle hat und von den Behörden gesucht wird.

Dann nimmt die Krankenschwester Gabriela (Elizabeth Rodriguez) Kontakt zu Logan auf. Für 50.000 Dollar soll er die elfjährige Laura zu einer geheimen Zuflucht in North Dakota bringen. Das Mädchen konnte aus einer Forschungseinrichtung fliehen und besitzt Kräfte, die stark denen Logans ähneln. Gemeinsam mit Xavier macht sich Logan auf den Weg, verfolgt von einer Horde bionisch aufgerüsteter Söldner um Donald Pierce (Boyd Holbrook), die Laura unter allen Umständen zurückbringen sollen.

„Logan“ kommt als staubiges Road-Movie daher und erinnert mit seiner wuchtigen, handgemachten Action mehr an das Action-Kino der 80er Jahre als an aktuelle Superheldenfilme. Der Look des Films orientiert sich dabei an Mark Millars und Steve McNivens modernem Comic-Klassiker „Old Man Logan“, der mit seinem Genre-Mix aus Superhelden, Endzeitfilm und Italowestern für viel Aufsehen sorgte.

Das alles funktioniert wunderbar. Und Fox liefert nach „Deadpool“ bereits den zweiten Film aus dem X-Men-Universum, der mit seiner härteren Gangart eine weniger bombastischere, aber angenehm dreckige Alternative zu den Hochglanzproduktionen um die „Avengers“ aus dem Hause Disney bietet.

Leider hat „Logan“ das gleiche Problem wie viele anderen Superheldenfilme auch: Es fehlt ein angemessener Gegner. Holbrook („Narcos“) macht seine Sache als skrupelloser Söldner zwar ordentlich, ist aber nicht mehr als ein Sidekick. Wolverins wahrer Gegner  ist zwar eine Überraschung, entpuppt sich aber letztlich als keine sonderlich gute Wahl. So geht in „Logan“ im letzten Drittel leider nicht nur Wolverine sondern auch dem Film etwas die Luft aus.

Fazit: James Mangold setzt mit seinem staubigen, düsteren und emotionalen  Road-Movie voller expliziter Gewalt einen würdigen Schlusspunkt hinter Hugh Jackmans Karriere als Wolverine.