"Wetten, dass..?": Trash-TV zur besten Sendezeit

19.01.2013

Es war Markus Lanz' vierter Einsatz als "Wetten, dass..?"-Moderator - und es hat den Eindruck, als mutierte die Show mit ihm immer mehr zur Selbstparodie mit Trash-Appeal. Filmbilder mit Matthias Schweighöfers entblößtem Hinterteil, Ralf Schmitz, der im rosa Ballettkleidchen mit Lanz den Schwanensee darbot, Horst Lichter im Kuhkostüm, Lachanfälle auf der Wettcouch oder ein Wettkandidat, der Lanz den Ellenbogen mit Anlauf in die Brust rammte – zweieinhalb Stunden wurde zur besten Sendezeit der Niveaulimbo getanzt. Hollywoodstar Denzel Washington, der dem albernen Treiben schutzlos ausgeliefert war, musste sich im falschen Film gewähnt haben.

Wettkandidat und Hobby-Wrestler Steve Brauer demonstrierte in der „Wetten, dass..?“-Show am Samstag seine Kampfeskunst am lebenden Objekt – an Markus Lanz. Dieser musste sich auf den Boden legen und dann tatenlos zuschauen, wie sich der muskelbepackte Mann aus Nürnberg mit geschätzten zwei Zentnern Körpergewicht Ellenbogen voraus auf ihn warf. Eine schmerzhafte Angelegenheit, wie die mehrfach wiederholte Zeitlupe eindrucksvoll bewies.

Nach seiner Ellenbogen-Attacke auf Lanz versuchte Kandidat Steve, 30 Massageöle nur durch Berührung zu erkennen. Mit verbundenen Augen und Nasenklammer ließ er das Öl zwischen den Händen Schmatzgeräusche veranstalten und verteilte es anschließend auf dem Rücken leicht bekleideter Damen. Der "Schmierigkeitsgrad" des Öls sei wichtig, ebenso der "Schmatztest", denn: "Verschiedene Öle ergeben verschiedene Schmätze". Da war es dann auf der Wettcouch mit der Beherrschung von Comedian Ralf Schmitz vorbei. Der wurde von Lachkrämpfen geschüttelt und wollte sich gar nicht mehr einkriegen. Lanz‘ Kommentar zu Wettpatin Magdalena Neuner: "Ich hatte dir eine seriöse Wette versprochen. Es tut mir leid."

Bei der Wette seines Kandidaten musste sich Denzel Washington dann ebenfalls gefragt haben, in was er da hineingeraten ist. Der angehende Pilot und Pianist Bernhard Siegel verursachte mit dem Daumen in den Hälsen halbgefüllter Flaschen Plopp-Geräusche, hörte sich diese konzentriert an und pfiff dabei. Was wie der Tick eines Zwangsgestörten wirkte, war tatsächlich ein System, um die Füllmenge herauszufinden. Zur Verblüffung aller gelang es dem Kandidaten tatsächlich, so das Wasser auf zwei Milliliter genau zu schätzen. Eine skurrile aber reife Leistung, die Bernhard Siegel dann auch mit großer Mehrheit zum Wettkönig werden ließ.

Auch die weiteren Wetten waren nicht uninteressant. Es wurden Flickflacks auf einem Laufband gesprungen, 2-Cent-Stücke mit dem Gabelstapler in eine Flasche gefüllt und Kühe am Geschmack ihrer Milch erkannt. Sparen könnte man sich dagegen die sinnfreien Gespräche auf der Wettcouch. Ob er immer noch aufgeregt sei, da er doch jetzt bereits zum dritten Mal für einen Oscar nominiert ist, wollte Lanz von Denzel Washington wissen. "Ja." Lanz: "Es gibt nicht viele, die drei Oscars haben." Washington: "Es gibt welche, die haben mehr." Aha. Und Cindy aus Marzahn meinte: "Herr Washington, wissen Sie eigentlich, dass eine Stadt nach Ihnen benannt ist?" Washington: "Ja, sogar ein ganzer Bundesstaat". Cindy: "Jaaaa …". Peinliches Schweigen. Irgendwie sollte es doch möglich sein, einem Hollywoodstar interessantere Informationen zu entlocken, wenn man ihn schon einmal 150 Minuten auf der Wettcouch sitzen hat.

Glücklicherweise hatte Cindy offenbar dafür zu sorgen, dass die Show nicht wieder hemmungslos in die Länge gezogen wird. So wurde Lanz beim Couchplausch von ihr ermahnt, langsam zur nächsten Wette zu kommen. Ein Erfolg, denn "Wetten, dass..?" war pünktlich um 22:45 Uhr zu Ende. 

(geschrieben für: t-online.de)