"Tatort: Die Fette Hoppe"

27.12.2013

Skurril, schwarzhumorig und voller überraschender Wendungen: Der Weimarer "Tatort" mit Christian Ulmen und Nora Tschirner in den Hauptrollen weiß als Kuriositätenkabinett aus der Provinz durchaus zu gefallen. Allerdings wirkt der ein oder andere Dreh des Autorenduos Murmel Clausen und Andreas Pflügler zu aufgesetzt und trübt dadurch etwas die Freunde an der originellen Krimiunterhaltung.

Eine tiefgefrorene Leiche auf der Hollywoodschaukel, geheime Liebschaften, alte Rivalitäten und das verschwundene Geheimrezept für eine Thüringer Wurstspezialität, aus solchen durchaus nicht alltäglichen Zutaten setzt sich die Handlung von "Tatort: Die Fette Hoppe" zusammen. Dabei weht hier und da ein Hauch von "Twin Peaks" durch die Klassikerstadt. Denn ähnlich wie in David Lynchs Kultserie lauern auch im Weimarer "Tatort" unter der kleinstädtischen Oberfläche Abgründiges und Groteskes.

Ein Blutfleck und ein Fleischerbeil

Wurstfabrikantin Brigitte Hoppe (Elke Wieditz) ist verschwunden. Im Kofferraum ihres im Parkverbot abgestellten Kleinwagens befinden sich dafür ein großer Blutfleck und ein Fleischerbeil. Schnell stellt sich für den neuen Kommissar Lessing (Ulmen) und die Zuschauer heraus, was die Weimarer Kollegen schon wussten: Hoppe war in der Stadt mehr als unbeliebt, die Verdächtigen stehen Schlange, allen voran ihr beständig aus der Nase blutender Sohn (Stephan Grossmann) und seine junge, aber bereits zweimal verwitwete Freundin Nadine (Palina Rojinski).

Was Clausen und Pflügler dann an weiteren Verwicklungen im Mordfall aufbieten, um Polizei und Zuschauer lustvoll in die Irre zu führen, funktioniert zunächst tadellos. Wirkt aber spätestens mit dem Auffinden der Leiche in der Tiefkühltruhe des beständig alkoholisierten Kutschers Bogdanski (Dominique Horwitz) etwas bemüht und gleitet zunehmend ins Abstruse ab.

Die Chemie zwischen Ulmen und Tschirner stimmt

Durchgehend Spaß macht hingegen das Zusammenspiel von Christian Ulmen und Nora Tschirner als schon länger in Weimar agierende Kommissarin Kira Dorn. Ulmen gibt wieder den schon aus "Dr. Psycho" bekannten spleenigen Ermittler und Nora Tschirner - mit Babybauch - die burschikose Kollegin. Hier stimmen Chemie und auch der teils skurrile Humor, der sich wohltuend von allzu weichgespülten Gags in bekannter "Keinohrhasen"-Tradition absetzt. Auch wenn die späte Eröffnung, dass Lessing der Vater von Dorns ungeborenem Kind ist, ebenfalls etwas aufgesetzt wirkt.

So ergänzt das Weimarer Team das Portfolio der "Tatort"-Kommissare um eine weitere eher komödiantische Variante, kommt dabei allerdings abseitiger und verdrehter daher, als die meisten anderen Ermittler.

(geschrieben für: t-online.de)