"Tatort: Der treue Roy"

25.04.2016

Unkaputtbare Selbstmörder, senile Jäger, Tagebücher auf Lottoscheinen, ein Lude im Schrank und mittendrin die Kommissare auf der Suche nach dem Mörder des offenbar im Hochofen verbrannten Roy, dessen Schwester Siegrid (höhöhö) zu den Hauptverdächtigen gehört: Im "Tatort" aus Weimar hat der Wahnwitz wie immer Methode.

Auch im dritten Weimarer "Tatort" mit dem Duo Christian Ulmen und Nora Tschirner stammt die Geschichte von den Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflügler. Gegenüber dem völlig durchgeknallten Vorgänger-Fall "Der irre Iwan" haben sich die beiden nun wieder etwas mehr unter Kontrolle. Dennoch hat auch "Der treue Roy" natürlich wieder nichts mit einer handelsüblichen "Tatort"-Folge gemein.

Viel mehr erinnert der Film an schwarzhumorige Provinzpossen, wie man sie etwa von David Lynch ("Twin Peaks") oder den Coen-Brüdern ("Fargo") kennt. Ähnlich wie bei den Vorbildern und anders als bei den ersten beiden Fällen mit den Kriminalkommissaren Dorn (Tschirner) und Lessing (Ulmen) wird bei "Der treue Roy" aber noch mehr Gewicht auf das Düster-Abseitige gelegt.

Wunderbar dreckiger Look

Dazu passt, dass die Handlung nicht an den schicken Orten der Klassikerstadt spielt, sondern in Stahlwerken, vor abgewrackten Plattenbauten, in heruntergekommenen Tankstellen und ebensolchen Beauty-Salons oder dem Wohnwagen einer Prostituierten. Das sorgt für einen wunderbar dreckigen, von der Kamera erstklassig zelebrierten Look, in den sich die schrägen Charaktere perfekt einfügen.

Das Zusammenspiel von Tschirner und Ulmen funktioniert gewohnt gut, die Dialoge sind pointiert, und die Quote der gelungenen Gags und Einfälle sehr hoch. Dennoch haben sich wieder einige missglückte Szenen eingeschlichen, die trotz des allgegenwärtigen Aberwitzes nicht funktionieren wollen. Da hält Roy (Florian Lukas) der zu Tode verängstigten Dorn die Pistole an den Kopf und drückt ab. Sie überlebt nur, weil die Waffe nicht geladen ist. Drei Szenen später steht sie ihrem Fast-Mörder aber wieder gegenüber, als sei nichts gewesen.


Gelungenen Abendunterhaltung der schrägen Sorte

Von diesen Schönheitsfehlern abgesehen bietet "Tatort: Der treue Roy" sehr gelungene Abendunterhaltung der schrägen Sorte. Man darf sich eben als Zuschauer nur nicht daran stören, dass es beispielsweise der lebensmüde Roy auch nach zwei Kopfschüssen noch schafft, sich aus dem Fenster zu stürzen und trotzdem überlebt.

(geschrieben für: t-online.de)